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18.04.2017

Hartplatz-Helden nehmen Abschied

Ab dieser Woche wird am Praunheimer Hohl ein Kunstrasenplatz gebaut. Ein paar Tage zuvor „beerdigt“ die SG Praunheim ihren Hartplatz. Während der Vereinsnachwuchs sehnlichst auf das neue Grün wartet, schwadronieren die Altkicker der SG über ihre härtesten Schlachten auf Praunheims roter Erde.

Praunheim. Viele Körper hier am Praunheimer Hohl hat er auf Lebzeiten gezeichnet. Aber in ein paar Tagen muss er dran glauben. Ein Teil von ihm wurde bereits in Dutzende Gläser abgefüllt. Fünf Euro kostet das Stück. Am vergangenen Samstag setzt es für den Hartplatz dann die letzten Tritte von jenen, die ihn mit sich tragen werden.

Die letzte Ehre

Gegen 17 Uhr wird dem „Acker“ die letzte Ehre erwiesen. Etliche junge und alte Kicker der SG Praunheim versammeln sich um ein winziges Loch, das der Vereinsvorsitzende Michael Petzold am Rand der Sportanlage gegraben hat. Der Vorstand hat zuvor ein kleines schwarzes Kästchen mit einer Schaufel Hartplatz gefüllt. Während sich die Fußballer um die Grabstätte versammeln, wird der „Sarg“ ins Erdreich gelassen.

Die Jugend im Verein kann sich dabei ein freudiges Grinsen nicht verkneifen. Peter Adler aber ist etwas wehmütig zumute, er hat auf dem „Acker hier manche Schlacht geschlagen“. Der 69-jährige ist seit 1969 bei der SG Praunheim aktiv, so lang wie kein anderer. Über 1500 Spiele, schätzt er, habe er für den Verein absolviert, hunderte davon auf dem Hartplatz.

An manche Partien erinnert er sich besonders gerne zurück, wie die legendären, hart umkämpften Lokalderbys gegen Hausen in den 1980er Jahren, die den Hartplatz oft wie ein umgepflügtes Feld zurückließen. „Jene Spiele waren die härtesten. Es ging auf die Knochen. Aber nach den Spielen war die Rivalität vergessen und man ging zusammen einen trinken“, erzählt Adler.

Jedoch freut sich auch das Urgestein der SG Praunheim wie alle anderen im Verein auf den Kunstrasenplatz, der im kommenden Herbst fertig sein soll. 1,1 Millionen Euro lässt sich die Stadt den neuen Platz kosten und baut der SG Praunheim zudem eine Trainingsbeleuchtungsanlage, eine automatische Beregnungsanlage sowie eine Umzäunung und zwei Minispielfelder.

Langes Warten

Jahrelang hatte der Verein für den Kunstrasenplatz gekämpft. Umso mehr, weil einige Nachwuchsspieler dem Klub den Rücken kehrten und aufgrund besserer Spiel- und Trainingsbedingungen zu anderen Frankfurtern Vereinen wechselten. Bei der SG Praunheim musste man vor nicht allzu langer Zeit indes noch Karteileichen ausgraben, um den Spielbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten.

Mittlerweile ist mancher abgewanderte Kicker wieder ans Praunheimer Hohl zurückgekehrt. „Obwohl die Arbeiten am Kunstrasenplatz noch gar nicht begonnen haben“, freut sich der Vereinsvorsitzende Petzold auf bessere Zeiten mit dem neuen Feld.



Artikel der Frankfurter neuen Presse 18.04.2017 VON BEN KILB

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