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30.08.2014

Plädoyer für die Ortsumfahrung

Dass die Erschließungsstraße zwischen Ludwig-Landmann-Straße und Praunheimer Weg geplant wird, kann als sicher gelten. Doch die FDP-Ortsgemeinschaft appelliert nochmals an die Vernunft der Regierenden. Ein Ruf, der vermutlich unerhört bleibt.

Noch hat die Stadtverordnetenversammlung nicht beschlossen, dass die Erschließungsstraße fürs Gewerbegebiet nördlich der Heerstraße (einstmals „Ortsumfahrung Praunheim“ genannt) geplant wird. Doch aller Voraussicht nach wird dies in der ersten Sitzung des Plenums nach der Sommerpause geschehen. Nun mahnt die FDP nochmals die große Lösung der Ortsumfahrung Praunheim an und fordert zugleich, einen neuen Standort für die Europäische Schule zu finden. Wer sich die Verkehrsinfrastruktur im Nordwesten Frankfurts ideologiefrei anschaue, sehe, wie wichtig die Ortsumgehung Praunheim (also der Ausbau bis zur Rosa-Luxemburg-Straße) und die Regionaltangente West (RTW) für die Verkehrsentlastung der Anwohner sei.

Große Lösung umsetzen

„Daher fordern wir, mittelfristig die Ortsumfahrung bis zur Rosa-Luxemburg-Straße zu realisieren“, sagt Sebastian Papke, Vorsitzender der FDP-Ortsgemeinschaft 7/ 8 (unter anderem Praunheim und Nordweststadt). „Es kann den Bürgern, aber auch vielen Stadtteilpolitikern nicht erklärt werden, dass vor gut zehn Jahren mit Absicht die Europäische Schule in die Trasse gebaut wurde, die von Beginn des Baus der Nordweststadt für die Ortsumfahrung freigehalten wurde, und die jetzt der Ortsumfahrung und der RTW ihre Sinnhaftigkeit abspricht.“

Eine Verlagerung und Neuerrichtung der Europäischen Schule sei unter Berücksichtigung steigender Schülerzahlen die vernünftigste Lösung. „Daher müssen die Ortsumfahrung Praunheim und die RTW mittelfristig in eingehauster Form durch die schon lange für sie vorgesehene Trasse geführt werden“, fordert Papke. Eine Tunnellösung und eine Führung der RTW nordwestlich von Niederursel sind neben den ökologischen Schäden auch finanziell nicht zu verantworten. „Ein Neubau der Europäischen Schule wird mit Sicherheit viel geringere Kosten verursachen als eine Tunnellösung. Außerdem könnten die Sportanlagen und Teile der Gebäude von der Ernst-Reuter-Schule oder anderen Einrichtungen genutzt werden“, sagt der Liberale.

Deshalb fordert die FDP die Stadt Frankfurt, aber auch die Europäische Schule auf, gemeinsam einen zukunftsfähigen Standort für die Schule zu suchen. „Unter Berücksichtigung steigender Schülerzahlen ist schon jetzt zu erkennen, dass ein Ausbau der Europäischen Schule am jetzigen Standort fast unmöglich ist – mit Rücksicht auf die enge Nachbarschaft mit der Ernst-Reuter-Schule und die anstehende ungeliebte ,kleine‘ Ortsumfahrung Praunheim“, betont Papke. Eine erweiterungsfähige und von den Flächen ausreichend konzipierte Europäische Schule im Frankfurter Stadtgebiet müsse das Ziel sein, „schon um zu zeigen, dass EZB-Mitarbeiter und ihre Familien hier wirklich willkommen sind“.

Ob der Ruf der Vernunft tatsächlich Gehör findet, ist fraglich. Mit einem entsprechenden Antrag war FDP-Chef Papke bereits in der Juli-Sitzung des Ortsbeirats 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) gescheitert – an den Stimmen von CDU und Grünen. SPD und Linke hatten sich enthalten, nur die Republikaner hatten mit der FDP gestimmt. Nicht überraschend. Schließlich profitiert Praunheim von der Erschließungsstraße – anscheinend zumindest. Tatsächlich fahren dann in der westlichen Heerstraße 5700, in Höhe Oberhöchstädter Weg 6150 und im Ortskern Alt-Praunheim 3400 weniger Fahrzeuge am Tag, das sind gerade mal sehr knapp 30 Prozent.

Mehr Verkehr

Damit verbunden ist ein massiver Anstieg des Verkehrs auf dem Praunheimer Weg und in der Bernadottestraße. Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) hatte jedoch in einer Sondersitzung des Ortsbeirats 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) keinen Zweifel daran gelassen, dass er an der vom Magistrat präferierten Variante festhalten wird, der Erschließungsstraße fürs Gewerbegebiet nördlich der Heerstraße (wir berichteten).

Der Magistrat seinerseits betonte erst jüngst, dass die Erweiterung der Europäischen Schule ein Projekt der Bundesregierung sei. Die Aufgabe der Stadt sei lediglich, ein geeignetes Grundstück zur Verfügung zu stellen. „Alternative Flächen im Gebiet der Stadt wurden für die Europäische Schule bis dato nicht gefunden“, heißt es in dem Bericht, der vergangene Woche veröffentlicht wurde. Nur das ehemalige Traglufthallengelände der Ernst-Reuter-Schulen habe sich für die zeitnahe Erweiterung der Europäischen Schule als geeignet erwiesen. Außerdem sei davon auszugehen, dass die Frage der Vorplanung für die Ortsumfahrung Praunheim losgelöst von der Frage der Flächenbedarfe der Europäischen Schule und der Ernst-Reuter-Schulen betrachtet werden könne.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 30.08.2014. Von Simone Wagenhaus

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