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06.10.2014

Wenn die Flut kommt

Bei Starkregen laufen in den Häusern im Damaschkeanger die Keller voll. Dreimal passierte dies in den vergangenen 14 Monaten. Eine Bürgerinitative und die Stadtentwässerung Frankfurt suchen nun nach Abhilfe.

Wenn sich dunkle Wolken bilden und es dumpf grollt, wird Inke Jörgensen nervös. Nicht weil sie Angst vor Gewitter hat, sondern weil jedes Unwetter droht, den Keller ihres May-Häuschens im Damaschkeanger unter Wasser zu setzen. So wie im Juli diesen Jahres, als das Regenwasser von der überfluteten Straße durch die Lichtschächte in den Keller der Familie strömte.

Über Gespräche mit den Nachbarn fand Inken Jörgensen heraus, dass ihr Problem kein Einzelfall ist, sondern sich wie der berühmte rote Faden durch die Straße zieht. Betroffen sind vor allem die Häuser der Südseite, die ungeraden Hausnummern. Schnell gründete sich die Bürgerinitiative „Gegen nasse Füße“ – Jörgensen schloss sich mit ihren Nachbarn Anita Köth, Herbert Groß und Floris Somers zusammen, um der Sache auf den Grund zu gehen und das Gespräch mit der Stadtentwässerung Frankfurt zu suchen (SEF).

Bei jedem Haus seien andere Probleme aufgetreten. Mal kam das Wasser über die Luftschächte, mal aus dem Gully oder der Toilette. In einigen Fällen war der Wasserdruck so stark, dass er eine Bodenplatte empor drückte und das Wasser durch Risse in den Raum drang. So wie bei Familie Alb. „Bis zu den Knien stand das Wasser, sechs Kubikmeter musste die Feuerwehr abpumpen“ beschreibt Ramona Alb den Alptraum. In ihrem Keller, den die Familie zum Schlafzimmer ausgebaut hat, ist es immer noch feucht.

Kanäle sind zu eng

Insgesamt drei Mal in den vergangenen 14 Monaten wurden die Keller in den Häusern des Damaschkeangers unter Wasser gesetzt. Im Juli 2013 sowie im Juni und Juli 2014. „An diesen Tagen gab es Starkregen, der sehr, sehr selten auftritt. Mit diesen Wassermassen sind unsere Kanäle schlichtweg überfordert“, erklärt Sebastian Meyer von der Stadtentwässerung. Bei dem Unwetter im Juni 2014 hab es sich um einen sogenannten 70-jährigen Starkregen gehandelt – einen Regen der nur alle 70 Jahre auftritt. Das 1600 Kilometer lange Kanalnetz sei dafür nicht ausgelegt. „Es schafft vielleicht ein zwei- oder dreijährliche, maximal fünfjährliche Ereignisse. Mehr aber nicht“, erklärt Meyer, wieso die Wassermassen bei solchen Unwettern aus den Kanälen auf die Straße und schließlich in die Keller im Damaschkeanger strömen.

Eine Patentlösung für die Überflutungsprobleme hat die Stadt nicht – dafür seien die Probleme viel zu individuell. Ohnehin sei ab dem Anschluss an das öffentliche Kanalnetz der Grundstücks- oder Hauseigentümer verantwortlich. Eine Rückstausicherung schütze gegen einen Stau des Abwassers im Kanalsystems. Das dies allerdings keine Garantie gegen eine Überflutung ist, zeigt das Beispiel der Familie Alb. „Wir haben drei Rückstausicherungen eingebaut. Das Wasser hat sich dann einen anderen Weg gebahnt“, so Ramona Alb.

Bereits im Zuge der Sanierung der Heerstraße oder aber bei der anstehenden großen Kanalinspektion in Praunheim in ein oder zwei Jahren will die SEF deswegen prüfen, ob die Kapazität der Kanäle erhöht werden kann. Denn dass sich diese Starkregenereignisse in Zukunft häufen werden, gilt als sicher.

Anpassungsstragie

„Wir haben eine Klimawandelanpassungsstrategie entwickelt, die sich auch mit den Starkregen beschäftigt“, so Meyer. Zugleich will das Amt für Straßenbau und Erschließung überprüfen, ob die niedrigen Bordsteine erhöht werden können. Weiteren Schutz bietet das Aufkanten der Lichtschächte. Trotz dieser Maßnahmen ist die Stadtentwässerung auf Hinweise der Bürger angewiesen. „Wir sammeln alles und lassen es in unsere Kanalberechnung einfließen“, sagt Meyer. Diese Probleme gebe es nicht nur im Damaschkeanger.

Auch die BI arbeitet eng mit der Stadtentwässerung zusammen. „Wir werden ernst genommen. Das ist toll und tut gut“, sagt Inke Jörgensen, die seit acht Jahren im Damaschkeanger wohnt. Mittlerweile wissen sie und ihre Mitstreiter, dass es kein lokales Problem ist, sondern auch die Nachbarstraßen betroffen sind. Immer mehr Bürger mit ähnlichen Problemen meldeten sich. Das können sie auch weiterhin, die Bürgerinitiative hat eigens dafür eine E-Mail-Adresse eingerichtet: gegennassefuesse@gmail.com.

(jidi)



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 06.10.2014

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