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23.10.2014

Jugendclub droht das Aus

Ab Juni kommenden Jahres steht der Jugendclub Praunheim auf der Straße. Der Evangelische Regionalverband fordert sein Grundstück im alten Ortskern zurück – und nimmt den Jugendlichen damit das Dach über dem Kopf. Jetzt steht die Suche nach einer neuen Bleibe an – nach rund 30 Jahren.

Versteckt hinter einer Mauer liegt er, der Jugendclub Praunheim (JCP) an der Graebe-straße. Wer das im Hinterhof liegende Haus nicht kennt, sucht auf der Straße lange nach dem Eingang. Der befindet sich hinter einem mit Efeu bewachsenen kleinen Torbogen. Erst das Öffnen der Tür verrät, was sich in dem frei stehenden Häuschen versteckt. Rhythmische Trommelschläge und Gesang dringen auf die Straße, vermischt mit Stimmengewirr und Gelächter. „Bei uns ist eben immer etwas los“, sagt Johannes Löschner, der Leiter des Jugendclubs Praunheim, und stößt die Tür weit auf.

Es sind die Siebt-, Acht- und Neuntklässler, die an diesem Vormittag in den Clubräumen den Ton angeben. Bei der Projektwoche der Liebigschule bietet auch der Jugendclub ein Projekt für die Gymnasiasten an, zum wiederholten Mal. Doch mit diesem Angebot sowie mit dem ganzen Jugendclub könnte bald Schluss sein. Nach dem Neubau des Gemeindezentrums der Auferstehungsgemeinde, zu der der JCP gehört, fordert der Evangelische Regionalverband im Juni 2015 Teile seines Grundstücks zurück. Das Haus, das der JCP seit 30 Jahren bewohnt, soll anschließend abgerissen werden.

Suche nach Unterstützern

„Wir brauchen nicht nur neue Räume, sondern auch Sponsoren, die uns finanziell unterstützen. Ansonsten können wir gleich ganz dichtmachen“, befürchtet Löschner, der den Treffpunkt für Jugendliche und junge Erwachsene von 13 bis 21 Jahren seit neun Monaten leitet. Seitdem ist er auf der Suche nach Unterstützern – bislang mit mäßigem Erfolg. 9000 Euro kamen dank der evangelischen Zukunftsstiftung zusammen, rund 26 000 Euro benötigt der Club jedoch nach dem Umzug in ein neues Heim, um ein Jahr lang wie bisher arbeiten zu können. Denn als Teil der Auferstehungsgemeinde konnte der Club das Haus bislang mietfrei nutzen, die dadurch frei verwendbaren Mietzuschüsse der Stadt fließen in die Projektstelle von Mina Akcan, Sie bietet einmal pro Woche Gesangsunterricht für die Jugendlichen an.

„Diese Stelle, die es seit 15 Jahren gibt, müssten wir streichen und somit unser musikalisches Angebot kürzen. Aber gerade das ist unser Steckenpferd“, beschreibt Löschner den drohenden Verlust. Neben seiner vollen Stelle teilen sich der professionelle Musiker Sascha Feldmann und Laura Bender, verantwortlich für offene Projektarbeit, eine Stelle. Dann legt der Sozialpädagoge die Zahlen auf den Tisch: 158 574 Euro wären die kalkulierten jährlichen Ausgaben des Clubs, müsste er künftig tatsächlich Miete zahlen. Dem gegenüber stehen die jährlichen Einnahmen, wie der Personalkosten- und Mietzuschuss der Stadt sowie Pauschalen. Das macht ein Minus von 25 861 Euro. „Wenn wir sehr knapp kalkulieren, noch sparsamer haushalten und vielleicht an einigen Projekten sparen, könnten wir mit 20 000 Euro, vielleicht auch mit 15 000 Euro hinkommen“, sagt Löschner, dass der Club flexibel sei. Lieber würde man etwas sparen, als den JCP ganz zu schließen.

Im Stadtteil bleiben

Mit Postern, Flyern und einer Projektmappe hat der Club bislang versucht, auf seine prekäre Situation aufmerksam zu machen, auch bei den rund 60 Geschäften und Betrieben in Praunheim. „Wir haben nicht um Geld gebeten, sondern wollten einfach nur zeigen, dass es uns gibt, was wir machen und wie wichtig wir für die Jugendlichen im Stadtteil gibt“, betont der 25-jährige Leiter, wie wichtig es sei, dass der Club dem Stadtteil treu bleibt. Im neuen Gemeindehaus der Auferstehungsgemeinde gebe es keinen Platz für die Jugendlichen, ob man in den Gebäuden der Praunheimer Werkstätten, die Anfang 2016 an die Heerstraße umziehen, Platz findet, sei mehr als fraglich. „Die einzigen für uns passenden Räume sind wohl schon an Kunstwerk Praunheim vergeben“, sagt Löschner.

Es sind drei Säulen, auf denen sich die Arbeit des Jugendclubs baut: Fotografie, Musik und Film. Wobei es die Musik ist, die den größten Raum einnimmt. Besonders stolz ist der Club deswegen auch auf die Gesangskabine, die im vergangenen Jahr im Musikraum installiert wurde. Mit der dort herrschenden Lautstärke kommt Löschner mittlerweile gut klar. „Zwei Jahre lang habe ich auf der Fahrt nach Hause keine Musik im Auto gehört. Mittlerweile fange ich aber langsam wieder damit an“, verrät er und formuliert seine Wünsche für sich, sein Team und die Jugendlichen: bezahlbare Räumlichkeiten in Praunheim und Sponsoren, die die Arbeit des Clubs anerkennen und unterstützen. „Wir wollen doch einfach nur weitermachen“, sagt er.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 23.10.2014
. Von Judith Dietermann

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