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21.01.2015

Eine Werkstatt mit Tradition

4,1 Millionen Mark kostete 1965 der Bau der Praunheimer Werkstatt. Sie bot 125 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Nach einem halben Jahrhundert ist die Zeit der denkmalgeschützten Gebäude gekommen – Ende des Jahres zieht die Werkstatt um.

Bei der Eröffnung vor 50 Jahren als „noble Visitenkarte für Frankfurt“ gefeiert, macht die Praunheimer Werkstatt dieser Tage einen eher tristen Eindruck. Das liegt zum einen an der grauen Winterzeit, zum anderen aber auch daran, dass der rote Klinkerbau unter Denkmalschutz steht und viele notwendige Arbeiten in den vergangenen Jahren nur mit Auflagen möglich gewesen wären. So sind die quadratischen Fenster immer noch Originale von 1965.

„Wegen des Denkmalschutzes war eine richtige Sanierung nie möglich. Wir haben die Gebäude nur soweit erhalten, dass sie nicht auseinanderfallen“, sagt Wolfgang Rhein, Geschäftsführer der Praunheimer Werkstätten. Zudem sei das Gebäude nicht behindertengerecht, es gibt keinen Aufzug. Eine angebaute Rampe ermöglicht Rollstuhlfahrern zumindest das Betreten des Erdgeschosses.

Denn diese Barrierefreiheit war bei der Eröffnung 1965 gar nicht notwendig. 125 Jugendliche zwischen 15 und 40 Jahren arbeiteten damals in den für 4,1 Millionen Mark erbauten Gebäuden. In der Holz-, Ton- und Metallverarbeitung. „Die Schwere der Behinderungen damals war mit der heutigen nicht vergleichbar. So konnten auch rund 80 Prozent der jungen Menschen auf den Arbeitsmarkt vermittelt werden“, erklärt Rhein.

Menschen mit Rechten

Auch sonst sei damals vieles anders, vieles schwerer und weniger selbstverständlich gewesen als heute. Erst in den 1950er Jahren habe sich der Begriff „Behinderung“ verändert, in den 1960er Jahren wurden die Betroffenen als Menschen mit Rechten anerkannt. Noch in den Anfängen der Werkstatt Praunheim wurden die dort arbeitenden Klienten als „berufsunreife Jugendliche und Erwachsene“ bezeichnet.

Die Entwicklung in diesem Bereich sei aber noch lange nicht abgeschlossen, da ist sich Wolfgang Rhein sicher. „Die Rechtsstellung wird sich in den nächsten 50 Jahren weiter festigen, die Arbeiten noch mehr den Menschen und ihren Bedürfnissen angepasst. Es wird immer mehr erkannt werden, dass die Geschwindigkeit der Arbeit nicht alles ist“, glaubt er.

Dieser Entwicklung immerzu angepasst hat sich die Werkstatt Praunheim. So stieg die Nachfrage nach Arbeitsplätzen, schnell stieg die Anzahl von 125 auf mittlerweile 200. Leistungsschwache arbeiteten mit leistungsstarken Klienten zusammen, die Behinderten leisteten sich gegenseitig Hilfe. „Die Werkstatt Praunheim war ein Vorzeigebetrieb mit Interessenten aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet“ sagt Geschäftsführer Rhein. Das ist sie bis heute. Nur das verarbeitende Gewerbe sei mittlerweile neben der Konfektionierungs- sowie Verpackungsarbeit sowie Bürokommunikation in den Hintergrund gerückt.

Den heutigen Ansprüchen genügt der Klinkerbau in Alt-Praunheim schon lange nicht mehr. Deswegen zieht die Werkstatt Ende des Jahres in den Neubau ins Gewerbegebiet an die Heerstraße. 40 weitere, also insgesamt 240 Werkstättenplätze gibt es dort. Plus eine neue Tagesförderstätte für 42 Menschen. „Es gibt immer mehr Schwerstbehinderte. Die vor einem Jahr in Praunheim eröffnete Förderstätte ist bereits überfüllt, das wird mit dieser nicht anders sein“, so Rhein.

Herausforderung stellen

Das stelle die Werkstätten allerdings vor Herausforderungen. Hat man sich doch dort auf die Fahnen geschrieben, dass kein Mensch seine Heimatstadt Frankfurt verlassen muss, nur weil er schwerbehindert ist. „Wir versuchen so viele Menschen mit schwerer Behinderung aufzunehmen, wie wir können. Wenn die Menschen das wollen“, will der Geschäftsführer auch in den nächsten 50 Jahren den Ansprüchen gerecht werden.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 21.01.2015. Von Judith Dietermann

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