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03.02.2015

Sicherheit ist sein Job

Frank Goldberg blickt zurück auf 20 Jahre als Geschäftsführer des Präventionrats.

Wie aus einem „Machen Sie mal“ eine Institution wurde. Frank Goldberg ist Mann der ersten Stunde beim Präventionsrat. Er baute ihn auf, er führt seit 1996 die Geschäfte – mit neuen Ideen, Leidenschaft und Hartnäckigkeit. Am 13. Februar geht er in den Ruhestand. Frankfurt am Main (pia) Die letzte brenzlige Situation, in die er geraten ist, liegt bereits ein paar Jahre zurück. Frank Goldberg wartete auf eine S-Bahn, als er von einer Gruppe Jugendlicher angepöbelt wurde. Ihnen die Meinung zu sagen war sein erster Impuls. Dem er nicht nachgab. Goldberg ließ die lärmende Bande stehen, ignorierte ihre Kommentare und stieg in die heranfahrende Bahn. „Kein Einstig ist der beste Ausstieg“, sagt Goldberg.

Wenn jemand weiß, wie man mit Konfrontationen wie diesen umgeht, dann Frank Goldberg. Als Leiter der Geschäftsstelle des Präventionsrats ist er so etwas wie der oberste Gewaltverhüter der Stadt. Wenn er am 13. Februar in den Ruhestand verabschiedet wird, hat er sich 20 Jahre lang nach Antworten auf die Frage gesucht, wie man Frankfurt sicherer machen kann. Und sie gefunden: Prävention und die Suche nach den Ursachen, statt gleich zu repressiven Maßnahmen zu greifen ist eine. Bürgerbeteiligung eine andere.

Über die Hälfte fühlte sich unsicher
1995 war Sicherheit eines der drängendsten Themen Frankfurts. „Die Bürger waren sehr unzufrieden, 57 Prozent der Frankfurter fühlten sich unsicher in ihrer Stadt“, sagt Goldberg. Goldberg, gebürtiger Mainzer und studierter Jurist, arbeitete zu dieser Zeit bereits elf Jahre für die Stadtverwaltung – anfangs als Referent des damaligen Schuldezernenten Bernhard Mihm, „es war kein leichter Job“, erinnert sich Goldberg. Bis spät in die Nacht debattierten Stadtverordnete damals über Förderstufe, antiautoritäre Kitas, über Ideologien.

Fünf Jahre später wechselte Goldberg ins Rechtsamt, beschäftigte sich mit kinder- und jugendrechtlichen Strukturen, entwickelte und setzte unter anderem Beratungsangebote für Bürger durch, die sich um die Adoption eines Kindes bewarben. Goldberg prüfte die Zulässigkeit der sogenannten Drückerstuben, erarbeitete ihr juristisches Konzept. Bewegte Zeiten. 1995 wurde er Büroleiter des damaligen Sicherheitsdezernenten Udo Corts. „Machen Sie mal“, sagte Corts und beauftragte Goldberg, einen Präventionsrat zu schaffen. Goldberg hatte höchstens eine leise Ahnung, wohin dieser Auftrag führen würde.

Im Konsens mit der Stadtgesellschaft
Eine Innenstadt, in der nach Ladenschluss niemand mehr unterwegs ist, Bettler, die die Zeil belagern, Drogendealer in den B-Ebenen der Bahnstationen, Jugendgangs in den Stadtteilen, die Plätze oder Bushaltestellen vereinnahmen – das waren vor 20 Jahren die drängendsten Probleme. Schnell war Goldberg klar, dass man sie nicht mehr allein von der Polizei lösen lassen konnte, sondern viel mehr eine neue Sicherheitsarchitektur aufbauen musste. Man suchte nach Ursachen, um aufkeimender Kriminalität den Boden zu entziehen.

„Gelingen konnte und kann das nur, wenn die Ursachen bekannt sind. Und wenn man behörden- und institutionsübergreifend arbeitet“, sagt Goldberg. Dem Präventionsrat gehören Oberbürgermeister und Bürgermeister an, der Polizeipräsident, der Leiter der Staatsanwaltschaft, außerdem die Dezernenten für Jugend, Sicherheit, Schule und Integration, regelmäßig treffen sie sich zum Austausch. Polizei, Stadtpolizei, Kirchen und Sozialverbände bilden unter anderem den Runden Tisch Innenstadt. Goldberg: „Prävention kann immer nur im Konsens mit der Stadtgesellschaft gelingen.“ Das sei nicht immer einfach bei so vielen unterschiedlichen Positionen. Dennoch: „Man muss miteinander reden, um eine gemeinsame Lösung zu finden.“

Kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus
Frankfurt ist nicht die einzige Stadt mit einem Präventionsrat. Aber eine der wenigen, in der er eine feste Größe ist und kontinuierlich arbeitet. Probleme, die vor 15, 20 Jahren brannten, sind heute kein Thema mehr – mit einer neuen Polizeiverordnung und nachhaltigen Kontrollen konnten die Dealer aus der Innenstadt vertrieben, mit einer Pauschale für nächtliches Parken in den Parkhäusern mehr Leute in die Innenstadt gelockt werden. Heute stehen organisierte Bettelei, Armutszuwanderung, Trick- und Taschendiebstahl auf der Tagesordnung des Präventionsrats. „Auch der Islamismus und der Verlust des Gemeinschaftsgefühls werden uns in Zukunft heftig beschäftigen“, prognostiziert Frank Goldberg. Der Präventionsrat funktioniere auch als Frühwarnsystem.



Jeder Stadtteil hat sein eigenes Thema
Bürgerbeteiligung und Bürgernähe ist neben der Zusammenarbeit von Behörden und Einrichtungen die zweite Säule, auf die sich der Erfolg des Präventionsrats stützt. Was nutzen die besten Konzepte, wenn sie an den Bedürfnissen der Bürger vorbeigehen? Wie unterschiedlich sie sein können, zeigt die Arbeit der Regionalräte. Insgesamt 16 gibt es, der erste wurde 1997 in Sossenheim gegründet. Dort war es eine Jungendgang, die die Menschen im Stadtteil verängstige. In Schwanheim bewegt die Bürger eine Reihe von Einbrüchen, in Oberrad die Frage nach der Belebung des verödeten Buchrainplatzes.

Die Regionalräte organisieren Spielplatz- und Müllsammelaktionen, Fahrradcodierungen, kümmern sich im Schulwegsicherheit und Suchtvorbeugung. Sie setzten sich zusammen aus den örtlichen Polizeirevieren, den Stadtbezirksvorstehern, Vereinsringen, sozialen Einrichtungen. Über enge Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas und Vereinen erfahren sie, wo es Probleme gibt und überlegen, wie man diese gemeinsam lösen kann. „Die 16 Regionalräte legen sich wie ein Ring um die Stadt“, antwortet Goldberg auf die Frage, warum sich nur in den vermeintlich schwierigen Stadtteilen Gremien gegründet haben und nicht etwa im Westend oder in Bornheim. „Regionalräte bilden sich da, wo es sehr gute Vereinsstrukturen gibt.“ Dort, wo es wenig Reibungspunkte gebe, müsse man auch kein Gremium schaffen.

Leidenschaft und Mut sind unerlässlich
Goldberg und seine drei Mitarbeiter aus der Geschäftsstelle engagieren sich persönlich in den Stadtteilen, sitzen in Ausschüssen, an Runden Tischen – eine 40 Stunden-Woche reicht da bei Weitem nicht aus. „Man braucht Leidenschaft, ein gutes Netzwerk und Zugang zu den Menschen“, sagt Frank Goldberg. Auch Hartnäckigkeit und der Mut, ungewöhnliche Wege einzuschlagen, schaden nicht.

Es war Goldberg, der vorschlug, ein Haus des Jugendrechts zu etablieren, in dem Staatsanwaltschaft, Polizei, Jugendgerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich unter einem Dach arbeiten und dank der kurzen Wege schnell auf Straftaten Jugendlicher und Heranwachsender reagieren können. Offene Türen rannte er mit seinem Konzept nicht ein. Er ließ sich dennoch nicht beirren, verfasste ein Eckdatenpapier, suchte nach einer Liegenschaft. Goldberg: „Wenn ich von etwas überzeugt bin, halte ich meinen Kopf dafür hin.“ Aus seiner Idee wurde Realität – 2011 wurde das Haus des Jugendrechts in Höchst bezogen, ein zweites soll am Frankfurter Berg entstehen.

Neu im Fokus: Frankfurts Senioren
Zurzeit richtet der Präventionsrat sein Augenmerk verstärkt auf die Senioren Frankfurts. Die jüngste Studie Goldbergs trägt den Titel „Die Auswirkung der demographischen Veränderung auf die Sicherheit älterer Menschen und die Konfliktdynamik zwischen Jung und Alt.“ Konflikte zwischen den Generationen hat es immer schon gegeben, doch nun, wo immer mehr Menschen immer älter werden, spitzt sich die Lage zu. Ältere fühlen sich zu wenig respektiert, geraten schnell in eine Opferrolle, Jüngere fühlen sich wenig verstanden von den Alten. „Das aufeinander Achtgeben nimmt generell ab“, beschreibt Goldberg aktuelle Tendenzen, „die Menschen fokussieren sich heute mehr auf sich selbst, nehmen weniger wahr, was um sie herum passiert.“ Ohne gegenseitige Anteilnahme, ohne Zivilcourage jedoch zerbreche eine Stadtgesellschaft – wenn sich keiner um den anderen kümmere, lebe am Ende jeder einzelne in Angst.

Kultur des Hinsehens
Zivilcourage fördern – auch das hat sich der Präventionsrat seit 18 Jahren auf die Fahnen geschrieben und mit „Gewalt-Sehen-Helfen“ ein Programm gestartet, das die Kultur des Hinsehens fördert. In Seminaren erfahren und üben Privatleute, Firmen, Angestellte, wie sie sich in brenzligen Situationen wie die, die Frank Goldberg mit den pöbelnden Jungs an der Bahnstation erlebte, verhalten. Wie man hilft, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.

Zusammen mit Wissenschaftlern und Polizei wurden die praktischen Seminare erarbeitet – inzwischen steht „Gewalt-Sehen-Helfen“ auf dem Stundenplan der meisten Schulkinder, der Präventionsrat wird von der Nachfrage überrannt. Die Seminare finden inzwischen weit über die Grenzen Frankfurts hinaus statt. „Vor sieben Jahren haben wir das Nutzungsrecht an das Land Hessen gegeben“, sagt Goldberg. „Aber die Rechte haben wir behalten.“ Wie nachhaltig die Seminare wirken, hat Goldberg kürzlich – wieder bei einer Bahnfahrt – erlebt. Eine Frau war ohnmächtig geworden, sofort haben die anderen Fahrgäste reagiert, erste Hilfe geleistet. Auch das ist Kultur des Hinsehens. Momente wie diese sind es, die den bescheidenen Goldberg stolz machen. Stolz kann er auch auf diese Zahl sein: Fühlten sich 1995, dem Gründungsjahr des Präventionsrats, 57 Prozent der Frankfurter in der eigenen Stadt nicht sicher, sind es heute nur noch 12 Prozent. „Weniger ist nicht wünschenswert“, meint Frank Goldberg. „Ein Stück Angst ist wichtig. Sonst begibt man sich in Situationen, die nicht sinnvoll sind.“ Anja Prechel

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