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04.04.2017

Praunheimer Werkstätten: Förderverein sucht dringend Nachwuchs

Seit einem Vierteljahrhundert engagiert sich der Förderverein für die Einrichtungen der Praunheimer Werkstätten. Mit 1,5 Millionen Euro wurde die Einrichtung seitdem unterstützt. In Fahrzeuge und bauliche Maßnahmen, aber auch in die Freizeit der Behinderten wurde investiert. Jetzt benötigt der Verein dringend Unterstützung – von Jüngeren.

Praunheim. „Am Anfang war der Förderverein das Sahnehäubchen, mittlerweile ist er der Tortenboden“, bringt Regina Stappelton, Referentin für Fundraising bei den Praunheimer Werkstätten, auf den Punkt, was der Förderverein mittlerweile für die Einrichtung bedeutet. Ohne dessen Unterstützung, ist sie sicher, würde es für die Werkstätten „sehr düster aussehen“. Denn ohne das Engagement des Vereins, ohne die finanzielle Hilfe „könnte man nicht so viele Menschen glücklich machen, wie es derzeit möglich ist“.

Im Jahr 1992 wurde der Förderverein für die Praunheimer Werkstätten von Angehörigen und Freunden von Menschen mit Behinderung gegründet. Um die Einrichtung zu unterstützen – finanziell. Und um Dinge möglich zu machen, die sonst vielleicht auf der Strecke bleiben würden. „Die Einnahmen der Praunheimer Werkstätten reichen gerade so aus. Geld für die Dinge, die die Lebensqualität ausmachen und auf die auch Menschen mit Behinderung ein Recht haben, bleiben jedoch aus“, erklärt Peter Klaas, seit fünf Jahren Vorsitzender des Vereins. Der 65-Jährige übernahm die Nachfolge von Eduard Deeg, mittlerweile 78 Jahre alt. Er war viele Jahre Werkstattleiter in Fechenheim war und fungiert nun als stellvertretender Vorsitzender. „Es ist doch sehr viel Arbeit, zumal wir alles ehrenamtlich machen. Langsam ist es an der Zeit, den Staffelstab an Jüngere zu übergeben“, erklärt Deeg.

Ausrechenbarer Mangel

Doch hier liegt das Problem – dem Förderverein mit 110 Mitgliedern mangelt es an Nachwuchs. „Die meisten von uns sind Rentner. Viele der Mitglieder, übrigens allesamt Angehörige, sind über 80 Jahre alt“, erklärt Deeg. Ein, manchmal zwei Neumitglieder gebe es pro Jahr, dem gegenüber stünden jedoch drei oder vier Austritte. „Da kann man sich schnell ausrechnen, wohin das führt“, so der Vorsitzende.

Dass es den Förderverein irgendwann nicht mehr gibt, wäre für die Praunheimer Werkstätten eine „Katastrophe“, betont Regina Stappelton. Schließlich hat er mit 1,5 Millionen Euro in den vergangenen Jahren viel Gutes getan für die Einrichtung sowie für die dort arbeitenden und in den Wohnanlagen lebenden Menschen. Ob Fahrzeuge, Sanitärausstattung, bauliche Maßnahmen, Therapieräume oder Ferienfreizeiten – es gibt fast nichts, was der Förderverein noch nicht finanziell unterstützt hat.

„Wir springen immer dann ein, wenn es irgendwo klemmt. Die Werkstätten kommen auf uns zu, erklären, was fehlt, was sie sich wünschen oder brauchen. Wir schauen dann, was möglich ist“, erklärt Peter Klaas. In welche Projekte das Geld fließt, darüber entscheidet der Förderverein-Vorstand auf seinen vierteljährlichen Sitzungen. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den größten Effekt haben, wie etwa ein Theaterbesuch oder neue Briefkästen an der Wohnanlage Praunheimer Mühle. „Oft sind es auch die hier arbeitenden und wohnenden Menschen, die uns Vorschläge machen. Das ist schön und darauf sind wir auch angewiesen“, erklärt Eduard Deeg.

Einsatz für guten Zweck

Allerdings könne auch nicht jeder Wunsch erfüllt werden – so habe zwar die Praunheimer Mühle „einen umfangreichen Katalog, was dort getan werden muss“. Aber auf einige Dinge müsste man eben warten. Zumal der Förderverein auf die finanzielle Unterstützung von Stiftungen, Firmen und befreundeten Organisationen angewiesen ist. „Man muss immer wieder anklopfen und nachfragen, darf den Kontakt nicht verlieren“, erklärt Peter Klaas. Wie ein Klinkenputzer fühle er sich aber trotzdem nicht – zumal sein ehrenamtliches Engagement ja für einen guten Zweck ist.

Umso wichtiger sei es, Nachwuchs für den Förderverein zu finden, so Klaas, junge Menschen, die die gewachsene Arbeit fortführen, damit die Behinderten in den Werkstätten weiter unterstützt und gefördert werden können. Einen neuen Flyer hat der Förderverein bereits drucken lassen, auch einen eigenen Internetauftritt gibt es mittlerweile. Damit verbindet der Vorstand des Vereins die Hoffnung, dass er wieder mehr Mitglieder an sich binden kann. „Wir haben unseren Flyer sogar in sechs Sprachen übersetzen lassen, weil es immer mehr Migranten in den Werkstätten gibt. Die haben wir an die Angehörigen verteilt – Reaktionen gab es aber keine“, kann es nach Meinung von Klaas und Deeg eigentlich nur noch aufwärts gehen.

Ausführlichere Informationen zum Förderverein gibt es im Internet unter der Adresse www.förderverein-pw.de.



Artikel der Frankfurter neuen Presse 04.04.2017 VON JUDITH DIETERMANN

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