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07.04.2020

Beliebte Metzgerei macht dicht

Eine beliebte Metzgerei in Frankfurt macht dicht. Sie gehört zu den besten Betrieben Deutschlands. Das Sterben begann schon früh, sagt der Inhaber.

Die Schweine sind schon weg. Zumindest die schwarz-rosa gesprenkelten aus Plüsch, die so lange von einem umlaufenden Brett auf die Kunden der Metzgerei Menzer in Alt-Praunheim in Frankfurt herabblickten. Ihre fleischlichen Verwandten sind noch da. In Form von appetitlichen Würsten, Schinken, Braten oder als Koteletts und Schnitzelfleisch, das in der Kühlung hängt. Und Meister Menzer ist noch da, wenn auch nicht mehr lange. Am Samstag, 25. April 2020, wird er das letzte Mal seinen Laden öffnen. Dann ist nach 67 Jahren Schluss, endet die Ära der fast schon legendären und über den Stadtteil hinaus bekannten Familienmetzgerei.

Die Entscheidung fiel schwer

"Die Entscheidung dazu fiel schon lange vor der Corona-Krise", sagt Karlheinz Menzer, der Ende Februar 69 Jahre alt wurde. "Ich habe ein ganzes Jahr mit mir gekämpft. Aber irgendwann muss Schluss sein. Ich will gesund rausgehen." Und: "Mein Kopf sagt ja, das Herz sagt nein". Dabei muss der Mann mit wem weißen Haar und dem kräftigen Händedruck mächtig schlucken, dem, wenn sich Kunden bereits jetzt verabschieden, kommen schon mal die Tränen. Was er offen zugibt.

Mit Karlheinz Menzer, der den von seinem Vater Ernst 1953 gegründeten Betrieb vor 36 Jahren übernahm, verschwindet der letzte von ehemals fünf Metzgern in Praunheim. Das Sterben begann vor Jahrzehnten. "Mit Latscha kam der Niedergang", sagt Menzer und meint das Aufkommen der Supermärkte generell. Dennoch konnte er sich halten, betrieb das Geschäft bis vor sieben Jahren noch gemeinsam mit seiner Frau Hannelore. Die zog sich dann zurück ins Haus im Vogelsberg.

Ihr Mann machte weiter, wenn auch nur an drei Tagen, von Donnerstag bis Samstag. Doch schon mittwochs rückt er an, bestückt die Theke, produziert und kocht in der dahinterliegenden Küche. Obwohl ihm das Haus seines Großvaters Karl gehört, wohnt er die Tage dann in einem einzigen kleinen Zimmer. Dusche im Keller.

"Die Qualität entscheidet"

Menzers Geheimnis: "Die Qualität entscheidet." Das sah auch das Feinschmecker-Magazin so, kürte ihn zu einem der besten Metzger Deutschlands.

Der geborene Praunheimer, der nach neun Jahren auf der damals noch so genannten Volksschule Ebelfeld direkt zu seinem Vater in die Lehre ging, ist begeisterter Waidmann. Was er auf seiner Jagd im Vogelsberg schießt, landet frisch in den Auslagen. Besonders Wildschwein - ob als Brat- oder Leberwurst, Kotelett oder Lende - lockt die Kunden. Aber auch Reh. "Vom Erlegen bis zum fertigen Produkt mache ich alles selber", sagt Menzer. Und manch Praunheimer Schüler hat schon davon profitiert, wenn er für den Bio-Unterricht ein Auge oder Innereien zum Sezieren brauchte. Sogar in den Deutschunterricht hat er es schon geschafft. "Menzers meisterliches Mett macht müde Männer munter", wurde da alliteriert.

Metzger in Frankfurt-Praunheim hatte eine japanische Fangemeinde

Und Menzer ist vermutlich der einzige Frankfurter Metzger, der eine japanische Fangemeinde hat. Eine Liaison, die mit dem Bau der Japanischen Schule in Hausen begann. Inzwischen lebt dort Frankfurts größte Community. Sogar in einen Fremdenführer aus dem Reich der aufgehenden Sonne hat er es geschafft. Gab es anfangs noch Sprachbarrieren, zeigten die asiatischen Kunden auf den eigenen Nacken oder Bauch, um ihre Wünsche zu beschreiben, liegt inzwischen eine eigene Karte mit Schriftzeichen aus. Besonders beliebt ist Nanko Tsu. Das sind Hähnchenbrustbeine. "Toll für Suppen. Eine Stunde gegart und sie schmecken wie Calamari." Seine absolute Leibspeise bleiben jedoch Gries- und Reisbrei.

Ein Muss bei jedem Metzger ist die Scheibe Gelbwurst, die nach alter Tradition alle Kinder über den Tresen gereicht bekommen. "Es gibt aber auch erwachsene Praunheimerinnen, die noch heute darauf bestehen", schmunzelt der Meister. Und manche der ehemaligen Gelbwurstkinder kommen noch heute - mit dem Enkel an der Hand. Es ist dieser Kontakt, das Gespräch mit seinen Kunden, das dem breitschultrigen Metzgermeister am meisten fehlen wird. "Bei mir gibt es pro Scheibe auch mindestens drei Worte", sagt Menzer, der sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen lässt, wenn der Laden rappelvoll ist.

Weiter jagen und ein Buch schreiben

Derzeit ist aber Abstand angesagt. Immer nur ein Kunde darf in das Geschäft. Die anderen stehen mit Abstand auf dem Trottoire. Die ersten oft schon eine halbe Stunde, bevor er den Riegel von der Tür hebt. Damit ist bald Schluss. Einen Nachfolger gibt es nicht, obwohl Enkel Nils (18) gerade eine Metzgerlehre macht. "Bis er übernehmen könnte, würde das zu lange dauern."

Langweilig wird es Menzer dennoch nicht werden. Auch weiterhin will er nach Vorbestellung Stammkunden sein Wild anbieten. Und vielleicht ein Büchlein schreiben. Sammelt er doch seit vielen Jahren Stilblüten und Anekdoten seiner Kunden. "Kann man Frikadellen auch kalt essen?", "Haben sie Rindersteak auch vom Schwein" oder "Mir ist der Gulasch in der Konservendose angebrannt". Unvergessen auch die ältere Dame am Würstchenstand beim Zehntscheunenfest, die fragte: "Könne´ se mer mei Wörschtche warm halde, ich muss erst haam un mei Gebiss hole."

Dem Fest in der Graebestraße in Frankfurt will er auf jeden Fall treu bleiben. Hoffentlich Gelegenheit für ein Wiedersehen in Nach-Corona-Zeiten. Denn der Abschied mit Handschlag und Umarmung muss ausfallen. Was bleibt sind Erinnerungen, ein einmaliger Geschmack und schwarz-rosa Plüschschweine in manchem Kinderzimmer.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 06.04.2020. Von Oscar Unger

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