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01.04.2021

23-Jähriger will Ortsvorsteher werden

Die Grünen haben die SPD im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) vom erstes auf den dritten Platz verdrängt. Als Kandidat für den Posten des Ortsvorstehers schlagen sie den 23-jährigen Politikstudenten Johannes Lauterwald vor.

Die Grünen sind nach der Wahl im Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) die mit Abstand stärkste Fraktion. Sie konnten – mit Spitzenkandidatin, der Landtagsabgeordneten Miriam Dahlke – ihren Stimmenanteil von 14,9 (2016) um 10,4 Prozentpunkte auf jetzt 25,3 Prozent erhöhen. Sie verfügen damit im Stadtteilparlament Frankfurt Mitte-West mit 43 400 Menschen künftig über fünf Sitze. Bisher waren es nur drei.

Als stärkste Fraktion im Siebener „wollen wir unseren Anspruch auf das Amt des Ortsvorstehers“ geltend machen, kündigt Mariam Dahlke an. Sie habe zwar die Wahlliste ihrer Partei für den Ortsbeirat angeführt, werde aber nicht für das Amt kandidieren. „Ich werde im Ortsbeirat aktiv sein, aber mein Landtagsmandat ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Beides schaffe ich nicht“, erklärt die 32-Jährige, die 2018 bei den Landtagswahlen das Direktmandat gewinnen konnte.

Stattdessen haben sich die Grünen auf Johannes Lauterwald verständigt. Der 23-jährige Politikstudent gehört seit 2016 dem Gremium an. In der vergangenen Wahlperiode hat er sich immer wieder mit seiner Forderung nach bezahlbarem Wohnraum Gehör verschafft und sich beim Bau neuer Wohnungen für ökologische Kriterien stark gemacht.

Aus seiner Sicht ist die Perspektive junger Menschen gerade in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Für eine „progressive und zukunftsweisende“ Weiterentwicklung der Stadtteile „ist eine junge Perspektive neben anderen notwendig“, findet Johannes Lauterwald. „Ich will mit meiner Kandidatur zeigen, dass junge Menschen in der Lage sind, eine solche verantwortungsvolle Position, inklusive ihrer Vernetzung in die Stadtgesellschaft, auszuüben.“ Wird er gewählt, wäre er mit 23 Jahren wohl einer der jüngsten Ortsvorsteher, die es in Frankfurt bislang gab.

Das „phänomenale Wahlergebnis“ der Grünen erklärt Miriam Dahlke mit dem Einsatz ihrer Fraktion für eine umweltverträglichere Verkehrspolitik im Ortsbezirk, etwa durch den Ausbau von Fahrradwegen oder das Reaktivieren alter Tramtrassen. Die Grüne plädiert dafür, auch in der nächsten Wahlperiode das „bewährte“ System der „wechselnden Mehrheiten beizubehalten. Das hat gut funktioniert, auch wenn es arbeitsintensiv ist“.

Eine solche Form des Miteinanders favorisieren weitere Fraktionen im Stadtteilparlament. Auch die SPD, die die große Verliererin bei der Ortsbeiratswahl ist. Die noch amtierende Ortsvorsteherin Michaela Will (SPD) und Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Sasse machen keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung, dass ihre Fraktion als bisher stärkste Kraft auf Platz drei, hinter die CDU, gerutscht sind und damit zwei ihrer fünf Sitze verloren haben.

Gegen die SPD habe sich das „allgemeine Hoch der Grünen“ ausgewirkt, lokal betrachtet zudem die Awo-Affäre und auf den Ortsbezirk bezogen, „dass wir offensiv für das neue Baugebiet im Frankfurter Nordwesten eintreten“, so Hans-Jürgen Sasse: „Da schlug uns massiv Gegenwind entgegen. Aber wir brauchen den Wohnraum.“ Michaela Will ergänzt: „Die Ergebnisse müssen wir aber noch im Einzelnen analysieren.“

Die SPD unterstützt das Vorschlagsrecht der Grünen für das Ortsvorsteheramt. Ebenso die CDU, die noch mit einem blauen Auge davon gekommen ist. Zwar haben die Christdemokraten:innen 3,8 Prozent verloren, verfügen aber weiter über vier Mandate. „Wir können zufrieden sein“, sagt Spitzenkandidat Veljko Vuksanovic. Als zweitstärkste Kraft reklamiert die CDU für sich indes das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers.

In puncto Sitzen gleichauf mit der SPD ist die Fraktion Die Farbechten / Die Linke. Sie haben nur einen Verlust von 0,7 Prozentpunkten zu verkraften und kommen auf 15 Prozent. „Dass wir das Ergebnis verteidigt haben, ist ein toller Erfolg“, sagt Spitzenkandidatin Inge Pauls, die nach einer fünfjährigen Pause wieder im Gremium sitzt: „Das haben wir einer nachhaltigen politischen Arbeit zu verdanken, in der wir für Kinderbetreuung und bezahlbares Wohnen kämpfen.“

Aktiv war auch die FDP gewesen, vor allem bei den Themen Verkehr (Ausbau der U-Bahn nach Hausen, P&R-Platz Taunusblick) und Wohnen wie zuletzt beim Bebauungsplanverfahren Im Vogelgesang in Hausen. Trotzdem verliert die FDP 1,8 Prozentpunkte und damit einen ihrer beiden Sitze. Vor allem an die kleineren Parteien, mutmaßt Spitzenkandidat Sebastian Papke. Er kandidierte zugleich für die Stadtverordnetenversammlung und wurde dort um einen Listenplatz hochkumuliert, sodass er im neuen Stadtparlament vertreten sein wird.

Erstmals wird ÖkolinX-ARL im Ortsbeirat 7 vertreten sein. Spitzenkandidatin Hannah Miriam Abels verzichtet aber auf ihr Mandat. Wer für sie nachrückt, werde nach Ostern entschieden, teilt ÖkolinX-ARL-Stadtverordnete Jutta Ditfurth mit.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 01.04.2021. Von Sonja Thelen

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