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19.09.2008

Die Kunst auf dem Schulflur

Nicht nur am Straßenrand, sogar in den Schulen sind in der Nordweststadt Kunstwerke zu finden. Vor einer Woche haben wir an dieser Stelle die Werke vorgestellt, die auf Straßen und Plätzen unter freiem Himmel stehen. Heute zeigen wir, woran die Schulkinder in der Nordweststadt täglich vorbeischlendern.

Denn die «Kunst am Bau», die in der Nordweststadt so häufig zu finden ist, machte Mitte der 1960er Jahre vor dem Alltag nicht Halt. Auf die neu gebauten Pausenhöfe und Schulflure brachten Künstler aus ganz Deutschland ihre Wandreliefs und Plastiken. Orte, an denen nicht immer sehr respektvoll mit den Werken umgegangen wird.

So ist das Sandsteinrelief von Heinz Heierhoff, an dem die Ernst-Reuter-Schüler auf ihrem Weg ins Schulrestaurant täglich vorbeikommen, kunterbunt mit Graffitis beschmiert. Und die Beton-Glas-Wand von Albert Burkhard in der Pausenhalle des B-Baus der Schule war etliche Jahre lang von bunten, von Kindern gemalten Bäumen umrankt. Auch wenn die Schüler häufig nicht mehr wissen, wie die Werke in ihre Schule gelangt sind, sie haben ihre eigene Art, mit ihnen zu leben.

In den Gebäuden der Ernst-Reuter-Schule sind im Vergleich zu den anderen Schulen im Stadtteil die meisten Kunststücke zu finden. Außer auf die beiden genannten stoßen Schüler und Besucher dort auch auf «Hänsel und Gretel», ein kindergroßes Paar von Bildhauer Willi Schmidt. Die beiden zogen in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrmals im Schulhaus um.

Weniger geliebt sieht die Betonwand von Bildhauer Siegfried Reich an der Stolpe aus, die auf dem unübersichtlichen Schulgelände auf dem Weg zur Turnhalle zu finden ist. Doch der Eindruck trügt: Vor der Skulptur und auf der Treppe daneben treffen sich oft Jugendliche aus der Nordweststadt.

Gut geschützt und deshalb auch am besten erhalten ist das Wandrelief von Werner Scheib, das an das Innenleben eines Mikrochips erinnert. Es hängt hoch oben im Treppenhaus im Verwaltungstrakt.

Die ersten Schülergenerationen aus der Ernst-Reuter-Schule erinnern sich vielleicht noch an einige Werke mehr. So wurde eine Figur von Fritz Wotruka später doch lieber ins Städel gebracht. Wo hingegen eine Plastik von Reg Butler geblieben ist, weiß niemand. Reste eines Spiegelobjekts von Hermann Goepfert – Schöpfer des Brunnens am Eschenheimer Turm – lagerte jahrelang im Schulkeller. Sie war im wuseligen Schulbetrieb kaputt gegangen.

Auch in der 1963 erbauten Erich-Kästner-Schule am Praunheimer Weg hat sich mit der Zeit der Bestand an Kunstwerken quasi «von allein» reduziert. Markanter Punkt auf dem Pausenhof ist bis heute die 2,34 Meter hohe und 7,40 Meter lange Glas-Beton-Wand von Hermann Krupp. Von drei weiteren Plastiken weiß nicht einmal das Kulturamt, wo sie geblieben sind.

Kunst in öffentlichen Gebäuden sei aus Sicht des Amtes schwieriger zu verwalten als die auf Straßen und Plätzen, sagte Susanne Kujer vom Kulturamt. Nicht immer sage jemand im Amt Bescheid, wenn Skulpturen beschädigt wurden oder aus Platzgründen im Keller verschwinden. Wenn etwas mit den Plastiken am Straßenrand geschehe, rufe fast immer ein Nachbar an.

So gibt es eine Art Selektion in der «Galerie Nordweststadt», die deren Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten ohne viel Anstrengung ganz automatisch vorgenommen haben. Skulpturen wie die Edelstahlkuben am Zentrum, das «Paar» vor der Bibliothek oder die Uhl-Plastiken an den Wegen haben viele Nordweststädter ins Herz geschlossen. Andere Teile der Kunstschau aus den 1960ern haben sie schon immer ignoriert. (ing)




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